{"id":13935,"date":"2026-03-24T12:06:13","date_gmt":"2026-03-24T11:06:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.caritas-digital.de\/?p=13935"},"modified":"2026-06-18T21:37:53","modified_gmt":"2026-06-18T19:37:53","slug":"wir-muessen-das-rad-nicht-neu-erfinden-aber-wir-muessen-wissen-dass-es-existiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/caritas-digital.de\/landing\/blog\/wir-muessen-das-rad-nicht-neu-erfinden-aber-wir-muessen-wissen-dass-es-existiert\/","title":{"rendered":"\u201eWir m\u00fcssen das Rad nicht neu erfinden \u2013 aber wir m\u00fcssen wissen, dass es existiert\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Wie ignato Innovation in der Caritas neu denkt \u2013 ein Gespr\u00e4ch mit Florian Pomper, Leiter des Innovationsteams Caritas Wien und Vorstandsmitglied der Innovationsagentur \u201eIgnato\u201c<\/em><\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p>Florian Pomper leitet seit 18 Jahren das Innovationsteam der Caritas Wien \u2013 und hat in dieser Zeit eine Beobachtung gemacht, die ihn nicht mehr losgelassen hat: Die Caritas in Europa verschenkt ein enormes Potenzial. Nicht aus b\u00f6sem Willen, nicht aus Tr\u00e4gheit. Sondern weil niemand so richtig wei\u00df, welche Ideen und soziale Innovationen anderswo schon l\u00e4ngst funktionieren.<\/p>\n<p>Wenn man ihn fragt, warum er so lange geblieben ist, antwortet er ohne Z\u00f6gern: Weil es keinen abwechslungsreicheren Job in der ganzen Caritas gibt. Neue Zielgruppen, neue Themen, kein Jahr wie das andere. Aber irgendwann, je mehr er auf europ\u00e4ischer Ebene unterwegs war, je tiefer er in die internationalen Strukturen eintauchte, desto lauter wurde eine Frage in seinem Kopf.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-pullquote\">\n<blockquote>\n<p><strong><em>\u201eWie kann es sein, dass wir hier nicht viel st\u00e4rker zusammenarbeiten? Die Fragen und die Probleme der Menschen, f\u00fcr die wir da sind \u2013 zumindest in Europa \u2013 sind sehr \u00e4hnlich. Und trotzdem versucht jeder f\u00fcr sich, in seinem kleinen regionalen Umfeld alleine L\u00f6sungen zu finden.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p><cite><strong><em>Florian Pomper<\/em><\/strong><\/cite><\/p><\/blockquote>\n<\/figure>\n<p class=\"has-text-align-left\">Aus dieser Frage ist <strong>ignato<\/strong> geworden \u2013 eine Art Inhouse Agentur der Caritas, die Verb\u00e4nden hilft, f\u00fcr ihre dr\u00e4ngendsten Probleme erprobte L\u00f6sungen aus der ganzen Welt zu finden und an den eigenen Kontext anzupassen (siehe Info-Kasten). Aber der Weg dahin war l\u00e4nger und holpriger, als man denken w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>300 Leute beim Innovation Festival\u2013 und trotzdem passierte nichts<\/strong><\/p>\n<p>Der erste Versuch, etwas zu \u00e4ndern, war naheliegend: Transparenz schaffen. 2021 startete Pomper gemeinsam mit Caritas Europa das Innovation Festival. Die Resonanz war sofort da \u2013 300 Teilnehmende, 60 eingereichte Projekte aus ganz Europa, zehn davon auf die gro\u00dfe B\u00fchne gehoben, alle anderen in einer Dokumentation zug\u00e4nglich gemacht. Man konnte einander endlich sehen. Endlich wissen, was es gibt.<\/p>\n<p><strong>Und dann \u2013 passierte nichts.<\/strong><\/p>\n<p>Die Leute waren inspiriert. Sie fanden die Projekte beeindruckend. Aber es f\u00fchrte nicht dazu, dass irgendjemand zum Telefon griff und sagte: Das m\u00f6chte ich auch bei mir machen. Auch die Caritas Wien selbst nicht, obwohl Pomper das Festival mitorganisiert hatte. Das war ein ern\u00fcchternder Moment. Aber auch ein ehrlicher. Denn als Pomper und sein Team st\u00e4rker dar\u00fcber nachdachte, warum das so ist, ergab die Antwort pl\u00f6tzlich Sinn.<\/p>\n<p><strong>Warum gute L\u00f6sungen trotzdem liegen bleiben<\/strong><\/p>\n<p>Das Problem ist nicht, dass Caritas-Organisationen voneinander nicht lernen <em>wollen<\/em>. Das Problem ist, dass der Zeitpunkt fast nie stimmt. Damit eine Organisation eine fremde Innovation wirklich \u00fcbernimmt, muss ein ganzes B\u00fcndel an Faktoren zusammenkommen: Das Thema muss gerade ganz oben auf der eigenen Agenda stehen. Der Leidensdruck muss hoch genug sein. Es darf nicht schon eine halbwegs funktionierende eigene L\u00f6sung geben. Die Finanzierung muss stimmen. Und es muss in die Strategie des Verbandes passen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-pullquote\">\n<blockquote>\n<p><em><strong>\u201eDass gerade jetzt eine L\u00f6sung auftaucht, genau zu dem Zeitpunkt, wo wir uns damit besch\u00e4ftigen \u2013 das ist ein ganz seltener Zufall.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<\/figure>\n<p class=\"has-text-align-center\">\n<p>Und genau hier liegt der Denkfehler aller bisherigen Ans\u00e4tze: Sie setzen darauf, dass die richtige L\u00f6sung zuf\u00e4llig auf die richtige Organisation trifft. Best-Practice-Sammlungen, Innovationspreise, Festivals \u2013 sie alle schaffen Sichtbarkeit. Aber sie schaffen keinen Mechanismus daf\u00fcr, dass Wissen dann auch wirklich flie\u00dft, wenn es gebraucht wird.<\/p>\n<p><strong>Wir m\u00fcssen den Spie\u00df umdrehen!<\/strong><\/p>\n<p>Was w\u00e4re, dachte Pomper, wenn man den ganzen Prozess umdreht? Nicht: Hier sind tolle L\u00f6sungen, wer will? Sondern: Du hast ein Problem? Wir suchen f\u00fcr dich m\u00f6gliche Antworten.<\/p>\n<p>So entstand die Kernidee von ignato: ein Intermedi\u00e4r, an den sich Caritas-Organisationen mit ihren aktuellen, dr\u00e4ngendsten Herausforderungen wenden k\u00f6nnen. ignato pr\u00e4zisiert gemeinsam mit der Organisation die Fragestellung, recherchiert weltweit nach erprobten L\u00f6sungen und pr\u00e4sentiert nach wenigen Wochen eine Auswahl. Die Organisation entscheidet dann: \u00dcbernehme ich etwas davon? Oder wei\u00df ich jetzt wenigstens, was es gibt \u2013 und gehe bewusst einen eigenen Weg?<\/p>\n<p>Das klingt simpel. Ist es aber nicht. Denn die eigentliche Arbeit beginnt erst danach.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-pullquote\">\n<blockquote>\n<p><em><strong>\u201eWas wir in den ersten Pilotprojekten lernen: Es ist sehr hilfreich, einen erfahrenen Intermedi\u00e4r zu haben, der den Dialog zwischen den Partnern moderiert. Der die Erfahrung mitbringt, welche Herausforderungen es gibt, wenn man etwas von A nach B transportiert.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<\/figure>\n<p class=\"has-text-align-center\">\n<p>ignato sucht also nicht nur \u2013 es begleitet den gesamten Transferprozess. Von der ersten vagen Idee bis zur lokalen Umsetzung. Und das unterscheidet es von allem, was es bisher gab.<\/p>\n<p><strong>Subsidiarit\u00e4t \u2013 richtig verstanden<\/strong><\/p>\n<p>An dieser Stelle muss man \u00fcber ein Wort sprechen, das in der Caritas fast schon \u201eheilig ist\u201c: Subsidiarit\u00e4t. L\u00f6sungen entstehen vor Ort, nah an den Menschen. Jede Kirchengemeinde, jeder Verband kennt seine Zielgruppen am besten. Wer von au\u00dfen kommt und sagt \u201eNehmt das hier\u201c, sto\u00dft schnell auf Widerstand. Pomper kennt das. Und er h\u00e4lt die Skepsis f\u00fcr teilweise berechtigt \u2013 und teilweise f\u00fcr gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Der berechtigte Teil: Die N\u00e4he der Caritas zu ihren Zielgruppen ist tats\u00e4chlich eine gro\u00dfe St\u00e4rke. Und deshalb hei\u00dft Replikation von sozialen Innovationen bei ignato eben nie eins zu eins. Die Faustregel lautet: 70 Prozent Kern\u00fcbertragung, 30 Prozent lokale Anpassung. Diese 30 Prozent entstehen zwingend im Dialog mit den Menschen vor Ort \u2013 durch Ausprobieren, Feedback, nochmaliges Anpassen. Genau das, was die Caritas gut kann.<\/p>\n<p>Der gef\u00e4hrliche Teil: Wenn <em>\u201enah an den Menschen\u201c<\/em> zu <em>\u201ewir wissen, was die Menschen brauchen\u201c<\/em> wird. Wenn N\u00e4he mit Allwissenheit verwechselt wird und die Einbindung der Zielgruppe irgendwann entf\u00e4llt, weil man glaubt, sie nicht mehr zu brauchen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-pullquote\">\n<blockquote>\n<p><em><strong>\u201eDie St\u00e4rke der Caritas ist nicht, dass wir schon alles wissen. Die St\u00e4rke ist, dass wir nahe genug dran sind, um schnell und direkt mit den Menschen interagieren zu k\u00f6nnen.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<\/figure>\n<p><strong>Scheitern \u2013 aber richtig<\/strong><\/p>\n<p>Was passiert, wenn eine Innovation nicht abhebt? Die Caritas Wien hat daf\u00fcr \u00fcber die Jahre einen Prozess entwickelt, der ungew\u00f6hnlich konsequent ist. Und der mit einer Erkenntnis beginnt, die sich viele Organisationen nicht eingestehen wollen.<\/p>\n<p>\u201eWenn fr\u00fcher Projekte halb gescheitert sind oder fertig entwickelt waren und dann nie abgehoben haben, war einer der Gr\u00fcnde: Wir haben auf die falschen Themen gesetzt. Das waren Nice-to-have-Projekte, wo am Anfang alle dachten: Das schadet nicht, lasst uns einfach mal loslegen.\u201c<\/p>\n<p>Pompers Konsequenz daraus: Heute startet die Caritas Wien nur noch Projekte, die erstens ganz oben auf der strategischen Agenda stehen und zweitens ein klares Commitment der Leitungsebene haben. Nicht: \u201eSchaut mal, was ihr daraus macht.\u201c Sondern: \u201eWenn das funktioniert, bekommt es von uns alles, was es braucht.\u201c<\/p>\n<p>Und dann: alle drei Monate ein Checkpoint. Kein weiches Review, sondern eine harte Frage: Glauben wir noch an dieses Projekt? Drei Rollen entscheiden gemeinsam \u2013 Innovation, IT und Fachbereich. Nur wenn alle drei Verantwortlichen \u00fcberzeugt sind, geht es weiter. Jede Einzelne hat Vetorecht. Dass die IT von Anfang an dabei sitzt, ist kein Zufall. Pomper hat aus fr\u00fcheren Fehlern gelernt: Wenn man die IT erst einbindet, wenn die L\u00f6sung quasi fertig ist, passt sie oft nicht zu den internen Strukturen. Was dann bedeutet: nochmal von vorne. Oder: gar nicht.<\/p>\n<p>Dieses Dreier-Gremium hat in der Vergangenheit auch Projekte gestoppt, bei denen es \u201erichtig weh\u201c getan hat. Weil schon viel investiert war, weil das Team daran glaubte. Aber genau das, sagt Pomper, sei der Punkt: Je sp\u00e4ter man abbricht, desto teurer wird es.<\/p>\n<p><strong>Innovation kann auch Geld bringen<\/strong><\/p>\n<p>An einer Stelle des Gespr\u00e4chs \u00f6ffnet Pomper ein Fenster, das man in der Caritas-Welt selten so sieht: die Frage, ob Innovation nicht nur kosten, sondern auch Einnahmen generieren kann.<\/p>\n<p>Er unterscheidet drei Felder, in denen eine Caritas-Organisation innovativ sein kann. Das erste und zentrale: Innovationen f\u00fcr die Zielgruppen \u2013 bessere Angebote, neue L\u00f6sungen f\u00fcr Menschen in Not. Hier gehe es nie ums Geldverdienen, sondern um bestm\u00f6gliche Wirkung. Das zweite Feld: interne Innovation \u2013 effizientere Prozesse, bessere Tools, kluge Digitalisierung. Hier liegt das Ziel in Kostenersparnis.<\/p>\n<p>Und dann gibt es ein drittes Feld, das Pomper besonders spannend findet: Innovation im Fundraising. Neue Wege, Spender:innen zu erreichen. Digitale Kan\u00e4le, die man bisher nicht nutzt. Zielgruppen, an die man nicht herankommt.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-pullquote\">\n<blockquote>\n<p><em><strong>\u201eWenn mir ignato hilft, die erfolgreichsten Fundraising-Methoden zusammenzusammeln, die andere NGOs weltweit umsetzen, dann kann das schon dazu f\u00fchren, dass schneller eine neue Methode zu mir in die Organisation kommt. Die kostet zwar auch etwas \u2013 aber sie amortisiert sich, und dann nehme ich tats\u00e4chlich zus\u00e4tzliche Mittel ein.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<\/figure>\n<p class=\"has-text-align-left\">Es ist ein seltener Moment in einem Gespr\u00e4ch \u00fcber Sozialinnovation: jemand, der offen sagt, dass Innovation in einem bestimmten Bereich auch Geld bringen darf. Nicht als Selbstzweck, aber als Mittel, um die eigentliche Arbeit besser finanzieren zu k\u00f6nnen. F\u00fcr manche Caritas-Verb\u00e4nde \u2013 gerade in Deutschland, wo die Diskussion \u00fcber Haushaltsk\u00fcrzungen und neue Einnahmequellen aktuell gef\u00fchrt wird \u2013 k\u00f6nnte das ein ganz neuer Blickwinkel auf ignato sein.<\/p>\n<p><strong>Vom Duschbus zum lokalen Kontaktpunkt<\/strong><\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zur konkreten Praxis. Was hei\u00dft das alles im echten Leben? Eines der ersten Pilotprojekte von ignato zeigt es exemplarisch: Die Caritas Alicante kam mit dem Thema Obdachlosigkeit \u2013 klassische Ans\u00e4tze reichten nicht mehr. ignato recherchierte und fand GoBanyo, ein Social-Entrepreneurship-Projekt aus Hamburg: mobile Duschbusse f\u00fcr obdachlose Menschen.<\/p>\n<p>Das Neue: Statt sofort in eine aufwendige Infrastruktur zu investieren, setzt ignato auf den kleinsten sinnvollen Schritt zuerst \u2013 so g\u00fcnstig und schnell wie m\u00f6glich testen, so viel wie m\u00f6glich lernen. Gleichzeitig f\u00fcgte die Caritas Alicante etwas hinzu, das dem Original fehlte: eine sozialarbeiterische Komponente. Die 70 Prozent Kern \u2013 das Konzept der mobilen Hygiene als Kontaktpunkt \u2013 blieben erhalten. Die 30 Prozent Lokales kamen obendrauf.<\/p>\n<p>Und hier zeigt sich ein weiterer Aspekt, der in der bisherigen Caritas-Logik ungew\u00f6hnlich ist: Auch f\u00fcr GoBanyo in Hamburg lohnt sich das. Denn normalerweise entwickelt jemand eine Innovation, investiert Jahre und Geld \u2013 und niemand erstattet jemals die Entwicklungskosten. Bei ignato ist die \u00dcberlegung eine andere: Wenn ein Caritasverband sagt, wir m\u00f6chten eure L\u00f6sung \u00fcbernehmen, dann w\u00e4re er vielleicht auch bereit, daf\u00fcr zu zahlen. F\u00fcr die \u00fcbernehmende Organisation immer noch deutlich g\u00fcnstiger als eine Eigenentwicklung. Und f\u00fcr den Urheber: eine Anerkennung, mit der niemand gerechnet hat.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-pullquote\">\n<blockquote>\n<p><em><strong>\u201eDas kennen wir nicht. Wir sind eher so: Wir freuen uns, wenn jemand Interesse hat, und machen Tor und T\u00fcr auf. Aber dass jemand kommt und sagt \u2013 wir zahlen euch was daf\u00fcr \u2013 das ist f\u00fcr den Sozialbereich tats\u00e4chlich etwas Neues.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<\/figure>\n<p class=\"has-text-align-center\">\n<p><strong>Und was hat das mit K\u00fcnstlicher Intelligenz zu tun?<\/strong><\/p>\n<p>Gegen Ende des Gespr\u00e4chs passiert etwas, das zeigt, wie nah sich die beiden Welten \u2013 die Innovationseinheit der Caritas Wien, ignato und caritas.next \u2013 gerade kommen. Als wir Pomper erz\u00e4hlen, dass wir bei caritas.next unsere Projektsammlung \u00fcber digitale Projekte versuchsweise in ein KI-Tool \u00fcberf\u00fchrt haben, wird er hellh\u00f6rig. Noch ist das rudiment\u00e4r, ein Experiment. Aber es funktioniert bereits jetzt als Testversion sehr gut: Statt sich durch hunderte Datenbankeintr\u00e4ge mit zehn Filtern zu suchen, kann man dem System einfach sagen, wonach man sucht.<\/p>\n<p>Pomper erkennt sofort das Potenzial \u2013 auch und gerade f\u00fcr ignato:<\/p>\n<figure class=\"wp-block-pullquote\">\n<blockquote>\n<p><em><strong>\u201eWenn ich der KI sage: Das ist genau mein Thema \u2013 und die spuckt mir sofort die drei Projekte aus, die damit zu tun haben. Das ist der zus\u00e4tzliche Benefit. Die reinen Datenbanken werden einfach nicht genutzt, weil es zu m\u00fchsam ist.&#8220;<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<\/figure>\n<p class=\"has-text-align-center\">\n<p>F\u00fcr ignato ist ein solcher KI-gest\u00fctzter Innovations-Scout noch ein Traum \u2013 aber einer mit klaren Konturen. Georg Sch\u00f6n, Mitgr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von ignato, hat ihn als eines der wichtigsten Zukunftsprojekte benannt: eine KI, die das gesamte Wissen \u00fcber soziale Innovationen in der Caritas b\u00fcndelt und jederzeit durchsuchbar macht. Die Technik daf\u00fcr existiert bereits \u2013 was fehlt, ist die Datenbasis und der Rahmen. F\u00fcr ignato k\u00f6nnte so etwas zur Kerninfrastruktur werden.<\/p>\n<p>Und auch der <a href=\"https:\/\/ki-chat.das-steht-dir-zu.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">KI-Chatbot f\u00fcr Sozialberatung<\/a>, an dem caritas in NRW mit caritas.next in Deutschland gerade arbeitet, hat Pompers Aufmerksamkeit: Er k\u00f6nnte sich vorstellen, dass eine solche L\u00f6sung \u00fcber die Landesgrenze nach \u00d6sterreich wandert \u2013 ganz im Sinne von ignato. Replikation im digitalen Raum. Die Werkzeuge daf\u00fcr sind zum ersten Mal wirklich greifbar.<\/p>\n<p><strong>Was bleibt<\/strong><\/p>\n<p>Am Ende des Gespr\u00e4chs macht Florian Pomper etwas, das man in der Innovationsszene selten erlebt: Er lobt seine eigene Organisation. Nicht sich selbst, nicht sein Team \u2013 sondern die Leitungsebene der Caritas Wien, die bereit war, in Vorleistung zu gehen. Geld zu investieren in etwas, das es noch nicht gibt. Ein Risiko einzugehen, ohne Erfolgsgarantie.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-pullquote\">\n<blockquote>\n<p><em><strong>\u201eDas ist nicht selbstverst\u00e4ndlich. Und das ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr alles, was wir \u00fcber diese Jahre hier entwickeln durften.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<\/figure>\n<p class=\"has-text-align-left\">Ob ignato in drei oder f\u00fcnf Jahren erfolgreich sein wird, h\u00e4ngt laut Pomper nicht an der Finanzierung. Die sei \u00fcberschaubar, es gehe vor allem um Personalkosten. Es h\u00e4ngt daran, ob das Modell funktioniert. Ob Organisationen tats\u00e4chlich kommen und sagen: Sucht f\u00fcr uns. Ob der Transfer gelingt. Ob die 70\/30-Formel h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Wenn es funktioniert, dann will Pomper, dass ignato weit \u00fcber die Caritas hinausw\u00e4chst \u2013 zu einem Angebot f\u00fcr alle Sozialorganisationen, egal ob Caritas, Diakonie, AWO oder ein kleiner lokaler Tr\u00e4ger. Weil am Ende z\u00e4hlt nur eine Zahl: Wie viel zus\u00e4tzliche Wirkung ist entstanden, weil jemand eine L\u00f6sung nicht neu erfinden musste, sondern \u00fcbernehmen konnte?<\/p>\n<p>Das ist, wenn man so will, Innovation in der Innovation. Und es ist, vielleicht zum ersten Mal, ein Ansatz, der nicht beim Dokumentieren aufh\u00f6rt \u2013 sondern genau dort anf\u00e4ngt, wo alle anderen aufgeh\u00f6rt haben.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-pullquote\">\n<blockquote>\n<p><strong>Was ist ignato?<\/strong><br \/><strong>Eine Organisation kommt mit einem Problem \u2013 ignato sucht weltweit nach L\u00f6sungen, die anderswo schon funktionieren, und begleitet den gesamten Prozess der \u00dcbernahme und Anpassung. Gegr\u00fcndet 2025 von vier Caritas-Verb\u00e4nden: Wien, Spanien, Alba Iulia (Rum\u00e4nien) und DiCV Berlin. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ist Georg Sch\u00f6n, der zuvor zehn Jahre bei Ashoka an Skalierungsstrategien f\u00fcr soziale Innovationen gearbeitet hat. Methode: Das 8-Step Value Creation Framework strukturiert den gesamten Prozess von der Problemdefinition \u00fcber die globale Recherche bis zur lokalen Umsetzung und Verstetigung. Aktuelle Pilotprojekte: GoBanyo (mobile Hygiene f\u00fcr obdachlose Menschen, Transfer Hamburg \u2192 Alicante) und Brunnenpassage (inklusiver Kulturort gegen gesellschaftliche Polarisierung, Transfer Wien \u2192 Barcelona).<\/strong><\/p>\n<p><cite><strong>Kontakt und Informationen:<\/strong><br \/><strong>Georg Sch\u00f6n, georg.schoen@ignato.eu<\/strong><br \/><strong>Caritas Wien: https:\/\/www.caritas-wien.at\/ueber-uns\/innovation\/<\/strong><\/cite><\/p><\/blockquote>\n<\/figure>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ignato Innovation in der Caritas neu denkt \u2013 ein Gespr\u00e4ch mit Florian Pomper, Leiter des Innovationsteams Caritas Wien und Vorstandsmitglied der Innovationsagentur \u201eIgnato\u201c Florian Pomper leitet seit 18 Jahren das Innovationsteam der Caritas Wien \u2013 und hat in dieser Zeit eine Beobachtung gemacht, die ihn nicht mehr losgelassen hat: Die Caritas in Europa verschenkt 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