{"id":13742,"date":"2025-09-03T10:48:41","date_gmt":"2025-09-03T08:48:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.caritas-digital.de\/?p=13742"},"modified":"2026-06-18T21:37:53","modified_gmt":"2026-06-18T19:37:53","slug":"caritas-2037-zukunftsinterview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/caritas-digital.de\/landing\/blog\/caritas-2037-zukunftsinterview\/","title":{"rendered":"Caritas 2037: Ein mutiges Zukunftsinterview mit Dr. Susanne Pauser und Nadja L\u00fcck"},"content":{"rendered":"<h5 class=\"wp-block-heading\"><em>Wie ver\u00e4ndert sich die Welt bis 2037? Wie beeinflusst das die Arbeit der Caritas? Und wie kann die Caritas selbst Gesellschaft mitgestalten? Diesen zentralen Fragen stellen sich Dr. Susanne Pauser (Vorst\u00e4ndin f\u00fcr Personal und Digitales beim Deutschen Caritasverband)\u00a0und Nadja L\u00fcck (Regionalleiterin der <strong>Caritas Schwarzwald-Alb-Donau<\/strong>) in einem au\u00dfergew\u00f6hnliches Interview. <\/em><\/h5>\n<p><strong><strong>Bevor das Interview begann, unternahmen wir gemeinsam mit Dr. Susanne Pauser und Nadja L\u00fcck eine \u201eTraumreise\u201c ins Jahr 2037. In unserer KI-generierten Zukunftsvision hat sich die Caritas stark gewandelt: <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-black-color\">B\u00fcrokratie wurde durch digitale Assistenten und KI entlastet, neue Berufsbilder entstanden und Begegnungsr\u00e4ume statt Verwaltungsgeb\u00e4ude pr\u00e4gen den Arbeitsalltag. Pflegekr\u00e4fte, Sozialarbeitende und Quereinsteiger*innen arbeiten in vielf\u00e4ltigen Teams, unterst\u00fctzt von KI und Robotik, aber mit mehr Zeit f\u00fcr das, was bleibt: menschliche N\u00e4he und echte Empathie.<\/mark> Dieses Szenario diente als Ausgangspunkt f\u00fcr das Interview, zu dem wir beide F\u00fchrungskr\u00e4fte eingeladen haben, aus der \u201eZukunft\u201c auf das Jahr 2025 zur\u00fcckzublicken und ihre Eindr\u00fccke auf die ver\u00e4ndernde Zeitspanne zu schildern.<\/strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Lesezeit: ca. 15 Min.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stephanie Agethen (SA):<\/strong> Liebe Frau Pauser, liebe Frau L\u00fcck, wir blicken auf zw\u00f6lf bewegte Jahre bei der Caritas zur\u00fcck. Wie f\u00fchlen Sie sich jetzt, in der Caritas im Jahr 2037?<\/p>\n<p><strong>Dr. Susanne Pauser (SP):<\/strong> Ich f\u00fchle mich im Jahr 2037 etwas entspannter als 2025, weil wir die \u00dcbergangszeit, in der analog und digital zusammentreffen \u2013 wo alte Berufsbilder und neue Hoffnungen kollidieren \u2013 hinter uns gelassen haben. Diese Ambiguit\u00e4t, oft Ambidextrie genannt, also beidh\u00e4ndiges F\u00fchren und Agieren, ist nicht mehr so pr\u00e4sent. Die Zielkonflikte, die uns damals noch zu schaffen machten, sind heute weitgehend weg. Wir haben eine Fokussierung geschaffen. Das, was uns vorher l\u00e4stig war, liegt hinter uns, und die Aufgaben, die wir als unsere identifiziert haben, erledigen wir effizienter.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Der Berg der Herausforderungen, vor dem wir damals standen, liegt hinter uns.&#8220; Nadja L\u00fcck<\/h2>\n<p><strong>SA:<\/strong> Frau L\u00fcck, wie sehen Sie das?<\/p>\n<p><strong>Nadja L\u00fcck (NL):<\/strong> Ich kann beide Perspektiven nachvollziehen. An manchen Stellen habe ich gedacht: &#8222;Ok, so weit weg von dem, wo wir 2025 sind, f\u00fchlt es sich gar nicht&#8220;. <em>(Frau Pauser zeigt beide Daumen hoch).<\/em> Es gibt viele Ankn\u00fcpfungspunkte. Frau Pauser hat es gut beschrieben: Der Berg der Herausforderungen, vor dem wir damals standen, liegt hinter uns. Wir gehen auf sichtbaren Wegen, ohne dass uns st\u00e4ndig H\u00fcgel die Sicht versperren. Manche Ideen klangen damals fast wie eine Traumwelt \u2013 zum Beispiel Community- und Beziehungsmanagement gezielt in den Fokus zu stellen, Verwaltungsprozesse zu verschlanken und die Chancen zu nutzen, um die menschlichen Beziehungen in den Mittelpunkt zu r\u00fccken. Heute im Jahr 2037 ist soziale Arbeit bei der Caritas attraktiv \u2013 nicht nur wegen des Inhalts, sondern auch, weil sie anerkannt wird.<\/p>\n<p><strong>SA:<\/strong> Wir m\u00f6chten Ihnen gern ein Zitat vorlesen, das uns zu diesem Interview mit Ihnen beiden inspiriert hat, es ist aus einem Spiegel-Interview mit der KI-Investorin Jeanette zu F\u00fcrstenberg:&nbsp;<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u201c<em>In unserer alternden Gesellschaft m\u00fcssen wir dahin kommen, dass wir Krankenpflegern und allen, die Arbeit verrichten, die eine KI nie wird machen k\u00f6nnen, die notwendige Anerkennung beimessen. Krankenpfleger werden k\u00fcnftig viel wichtiger als Aktienanalysten, das kann KI besser.<\/em>\u201c<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In unserem KI-Zukunftsszenario Caritas 2037 haben wir dies weitergedacht und nehmen an, dass die Gesellschaft bis 2037 die Anerkennung f\u00fcr Pflege- und Sozialmitarbeitende zunehmend sp\u00fcrbar macht und sich das dann auch der Bezahlung niederschl\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>SP:<\/strong> Ich merke, dass ich mit diesem Narrativ echte Schwierigkeiten habe. Ich glaube, wir schw\u00e4tzen uns da heute<em> (in 2025, Anm.d.Red.) <\/em>manchmal schw\u00e4cher, als wir sind. Klar, die Rahmenbedingungen sind herausfordernd \u2014 durch Vorgaben, B\u00fcrokratie, Dokumentation \u2014 aber ich tue mich schwer mit der Aussage, dass unsere Mitarbeitenden ganz grunds\u00e4tzlich nicht gen\u00fcgend wertgesch\u00e4tzt und anerkannt werden. Ich sehe, dass sich die Gesellschaft ver\u00e4ndert, dass Respekt in Teilen durch &#8222;me, myself, and I\u201c verloren geht. Wir sollten vorsichtig sein, dies als dauerhafte Defizite darzustellen. Gehalt ist ein Teil der Wertsch\u00e4tzung, und wir sollten nicht nur klagen, denn verglichen mit manchen Branchen der Privatwirtschaft sind unsere Rahmenbedingungen wirklich gut. Wir versuchen, Innovationen zu schaffen, machen politische Arbeit und holen Modellprojekte an Bord. Eine klare Empfehlung an Kinder heute k\u00f6nnte ja auch sein: \u201eStudiert nicht zwangsl\u00e4ufig Informatik, sondern lernt ein Handwerk oder Pflege \u2013 diese Berufe sind nah am Menschen und haben klare Chancen.\u201c Ich m\u00f6chte da eine positive Geschichte vertreten.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Im Jahr 2037 hat sich eine ver\u00e4nderte gesellschaftliche Haltung zur sorgenden Gesellschaft eingestellt.&#8220; Nadja L\u00fcck<\/h2>\n<p><strong>NL:<\/strong> F\u00fcr mich beschreibt auch dieses Zitat eher 2025, nicht 2037. Corona hat eine enorme Wirkung auf Wahrnehmung, Anerkennung von systemrelevanten Berufen und Geh\u00e4lter gehabt, das m\u00fcssen wir klar sagen. Im Jahr 2037 hat sich eine ver\u00e4nderte gesellschaftliche Haltung zur sorgenden Gesellschaft eingestellt \u2013 auch durch normative Kraft. Die Zahl der Pflegekr\u00e4fte bleibt begrenzt, und wir m\u00fcssen das gemeinsam l\u00f6sen, \u00e4hnlich dem Prozess des Kindererziehens. Fr\u00fcher funktionierten unsere Systeme oft starr mit Belegungsvorgaben und Sozialhilfe-Finanzierung. Heute haben wir verstanden, dass wir einfache und flexible Finanzierungssysteme brauchen, die Wechsel zwischen station\u00e4rer, ambulanter und famili\u00e4rer Pflege erm\u00f6glichen. Unser Beitrag war es, KI gesellschaftlich zu verankern \u2013 weil auch die Familien anerkennen: &#8222;wir geben unsere Alten nicht einfach irgendwo ab und dann war&#8217;s das.&#8220; Die j\u00fcngeren Generationen m\u00fcssen mithelfen, freiwillige Dienste sind entscheidend, und das erreicht man nicht allein mit humanoiden Robotern.<\/p>\n<p><strong>SP:<\/strong> Ich glaube, das ist das Gro\u00dfe, was bis 2037 passiert ist, da bin ich bei Ihnen, Frau L\u00fcck: Uns hat die Realit\u00e4t eingeholt. Wir mussten neue Wege gehen, Mut entwickeln und \u00c4ngste, z.B. vor Datenschutz \u00fcberwinden. Toll an der Vision ist ja die viel h\u00f6here Selbstverst\u00e4ndlichkeit im Umgang mit Technik und weniger Angst. Fr\u00fcher ging es noch zu oft um Grenzen und Angst, zu wenig um Mut und Aufbruch. Die Entscheidung, mit Daten bewusst Risiken einzugehen, ist selbst ein Risiko \u2013 aber nichts zu tun ist ebenfalls gef\u00e4hrlich. Das gef\u00e4llt mir an der Vision: mehr Entspannung, mehr Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mehr Mut zur Technik. Diese Ver\u00e4nderung schont unsere Berufe, denn sie bleiben wertvoll \u2013 ganz anders als z.B. in der IT, wo viele Jobs durch KI weggefallen sind.<\/p>\n<p><strong>Johanna Koetter (JK):<\/strong> Neben Gesellschaft und Organisation spielte auch die Politik eine wichtige Rolle, besonders bei der Finanzierung von Digitalisierung, Fachkr\u00e4ftegewinnung und Ausbildungsf\u00f6rderung.<\/p>\n<p><strong>SP:<\/strong> Absolut. Volkswirtschaftliche Finanzierbarkeit war ein gro\u00dfes Thema. Wir generierten Steuern \u00fcber L\u00f6hne, aber wir brauchten weitere Einnahmequellen, etwa eine Digitalsteuer \u2013 das hielte ich f\u00fcr richtig<\/p>\n<p><strong>JK:<\/strong> Bleiben wir im Jahr 2037: Gab es einen \u201eTurning Point\u201c, an dem Sie das Gef\u00fchl hatten, dass sich in den K\u00f6pfen wirklich was ver\u00e4ndert hat?<\/p>\n<p><strong>SP:<\/strong> Der Wendepunkt war f\u00fcr mich die Novellierung der Datenschutzgrundverordnung 2028: Datenschutz entwickelte sich vom Rechtsrisiko zum M\u00f6glichkeitsraum. Das war ein echter Wendepunkt.<\/p>\n<p><strong>NL:<\/strong> (schmunzelt) F\u00fcr mich war es, als wir im Leitungsteam gemeinsam entdeckten, dass wir unsere Stellen nicht mehr gut besetzen konnten, und beschlossen, Quereinsteigerinnen und neue Qualifizierungswege einzuf\u00fchren. Wir verabschiedeten uns von der starren Abschlussorientierung und holten Menschen rein, die anderes mitbringen: Pflegewirtschaft, IT-Projektmanagement, Community Management, KI-Anwendungen \u2013 Hauptsache, sie wollen die Caritas und haben Kompetenzen. So entfernten wir uns von der Rolle als verl\u00e4ngerter Beh\u00f6rde, die nur nach formalen Abschl\u00fcssen rekrutiert.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Der Slogan, der uns half: \u201eEmpathie ersetzt Bachelor\u201c \u2013 Kompetenz ersetzt formellen Abschluss.&#8220; Susanne Pauser<\/h2>\n<p><strong>SP:<\/strong> Ja, seit 2030 gilt es als Caritas-Vorgabe, auf formelle Abschl\u00fcsse zu verzichten und die Einsch\u00e4tzung der jeweiligen Einrichtung zu akzeptieren. Der Slogan, der uns half: \u201eEmpathie ersetzt Bachelor\u201c \u2013 Kompetenz ersetzt formellen Abschluss.<\/p>\n<p><strong>JK:<\/strong> Was waren die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen f\u00fcr Sie in der Mitarbeiterf\u00fchrung und Organisationskultur?<\/p>\n<p><strong>SP:<\/strong> Die \u00dcberzeugungsarbeit weg von Umschulungen f\u00fcr einzelne Menschen hin zu Organisationsentwicklung war eine gro\u00dfe Herausforderung. Einrichtungen mussten das Recht und Risiko erhalten, jemanden einzustellen, der nicht nur umgeschult ist, sondern langfristig gecoacht wird. Daf\u00fcr gab es dann von der Politik gro\u00dfz\u00fcgige Finanzierung in Pauschalen, ohne Stundenzettel.<\/p>\n<p><strong>NL:<\/strong> Ich erinnere mich an unterschiedlichste anstrengende Momente. Ein wesentlicher war aber die Kolleg*innen davon zu \u00fcberzeugen, dass wir mit dem, was wir mit Unterst\u00fctzung von KI, mit Robotern und der Reduzierung von Verwaltungsanteilen, uns nicht verschlechtern. Die \u00dcberzeugungsarbeit, dass die KI eine Kolleg*in ist, und keine Konkurrenz, war m\u00fchselig. Auch die Gespr\u00e4che mit Mitarbeitenden, die gerne in der Verwaltung gearbeitet haben, waren schwierig. Diese haben sich besonders schwer getan damit, in andere Arbeitsfelder zu gehen. Sie konnten sich bis dahin gar nicht vorstellen, an der\/dem Patient*in oder Klient*in zu arbeiten. Diese Unterhaltungen waren schwierig. Die \u00dcberzeugungsarbeit hat lange gedauert, und es gab auch Menschen, die gesagt haben: &#8222;Das ist nicht mehr meine Caritas, da will ich nicht mehr sein&#8220;.<\/p>\n<p><strong>JK:<\/strong> Gab es einen bestimmten Moment, an dem Sie gemerkt haben: \u201eder Groschen ist gefallen\u201c?<\/p>\n<p><strong>NL:<\/strong> Ja, im Grunde war das an den Punkten, wo im Kollegium anhand von ganz praktischen Beispielen klar geworden ist, die KI ist auch gut f\u00fcr uns. Ich erinnere mich an einen Moment, als unsere KI fr\u00fchzeitig eine Diagnose gestellt hat. Im Reflektionsgespr\u00e4ch danach waren sich alle einig: Das Risiko f\u00fcr eine Sepsis hat die KI-Kolleg*in festgestellt und alle anderen Kolleg*innen wussten: Wir h\u00e4tten es erst in dem Moment erkannt, in dem es eingetreten w\u00e4re.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Es war schwer, aber wir sind diesen Weg gegangen.&#8220; Susanne Pauser<\/h2>\n<p><strong>SP:<\/strong> R\u00fcckblickend war auch das Verlassen der alten \u201eHeimat\u201c, also das Aufgeben vertrauter R\u00e4ume und das Entstehen neuer Begegnungsorte, auch au\u00dferhalb der Caritas-H\u00e4user, mitten in der \u201eCaring Community\u201c, ein gro\u00dfer Schritt. Das war f\u00fcr viele schmerzhaft, aber notwendig. Die Transformation wurde dadurch richtig greifbar. Es war schwer, aber wir sind diesen Weg gegangen.<\/p>\n<p><strong>NL:<\/strong> Genau, wichtig war auch das gemeinsame Trauern um die alte \u201eHeimat\u201c und das Loslassen liebgewonnener Dinge. Die Arbeitswelten unterscheiden sich heute im Jahr 2037 stark. Anfangs gab es Skepsis, aber dann wurde klar: \u201cWow! Der Schritt zur Caritas ist ein Schritt in die Zukunft.\u201d<\/p>\n<p><strong>SP:<\/strong> Ich denke da auch an den Umgang mit Hierarchie. In 2025 waren wir, besonders an den Schnittstellen zur verfassten Kirche, noch h\u00f6chst hierarchisch: \u201cWer darf wen wie anschreiben?\u201d &#8211; das war ein gro\u00dfes Thema. In 2037 haben wir eine andere Kommunikation. Hierarchie ist auch heute noch Teil einer Organisation, da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Aber das Kommunizieren aus der Kompetenz heraus, statt aus der Organisationsebene, das ist heute anders. Nur so konnten wir Ressourcen aktivieren, Schnittstellen verbessern und gut mit Engagierten und Ehrenamtlichen kooperieren. Da bin ich bei Frau L\u00fcck: wir sind weit gegangen und viel besser geworden.<\/p>\n<p><strong>SA:<\/strong> Wir haben mal in eine Zeitung aus dem Jahr 2037 geschaut. Darin steht: \u201eDie Caritas macht wieder genau das, wof\u00fcr sie gegr\u00fcndet wurde: Sie ist ganz f\u00fcr die Menschen da und traut sich als eine der wenigen Organisationen noch reale Begegnungen und sogar Ber\u00fchrungen und im urspr\u00fcnglichen Sinne N\u00e4chstenliebe &#8211; und damit ist die Caritas wohl die wertvollste Vertreterin der neuen Wertehaltung.&#8220; Was l\u00f6st dieses Zitat aus unserem Zukunftsszenario bei Ihnen aus?<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Wir machen immer noch das, wof\u00fcr wir gegr\u00fcndet worden sind, aber vielleicht in unterschiedlichen Aggregatszust\u00e4nden.&#8220; Susanne Pauser<\/h2>\n<p><strong>SP:<\/strong> Ja, wir machen immer noch das, wof\u00fcr wir gegr\u00fcndet worden sind, aber vielleicht in unterschiedlichen Aggregatszust\u00e4nden und in unterschiedlichen Strukturen und mit unterschiedlichen Methoden. Ich glaube, wenn wir es schaffen, noch st\u00e4rker zu den Wurzeln zur\u00fcckzugehen, ganz stark als Personen da zu sein, tats\u00e4chliche zu ber\u00fchren &#8211; dann sind wir gut unterwegs. Das w\u00fcrde ich voll unterschreiben.<\/p>\n<p><strong>NL: <\/strong>Wenn ich auf das Zitat schaue, f\u00e4llt mir auf, dass da steht, &#8222;die Caritas macht wieder genau das, wof\u00fcr sie gegr\u00fcndet wurde.&#8220; Ich w\u00fcrde entgegnen: &#8222;die Caritas macht das, wof\u00fcr sie gegr\u00fcndet wurde, auch in den vergangenen 12 Jahren&#8220;. Ich w\u00fcrde sagen, wir sind da, um gute L\u00f6sungen f\u00fcr dringende Herausforderungen zu finden und um zu dienen. Insofern: volle Zustimmung, mit meiner \u00c4nderung.<\/p>\n<p><strong>SP: <\/strong>Darf ich das Weiterdenken und das Zitat ebenfalls abwandeln? \u201eDie Menschen in der Caritas machen wieder genau das, wof\u00fcr sie eingestellt wurden: sie sind ganz f\u00fcr die Menschen da und trauen sich reale Begegnungen und sogar Ber\u00fchrungen und im urspr\u00fcnglichen Sinne N\u00e4chstenliebe zu leben &#8211; und damit ist die Caritas wohl die wertvollste Vertreterin der neuen Wertehaltung.&#8220;<em> (L\u00fcck nickt zustimmend)<\/em><\/p>\n<p><strong>JK: <\/strong>Frau L\u00fcck, bei der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau leben Sie an der Basis ganz besonders diese Werte, von denen in dem zitierten Zeitungsartikel die Rede ist. Was hat die gestiegene gesellschaftliche Anerkennung mit Ihren Mitarbeitenden vor Ort gemacht?<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Die Mitarbeitenden sind sehr zufrieden damit, wie sie den Alltag ihrer Arbeit aktiv ohne die st\u00e4ndigen Vorschriften und Anleitungen gestalten k\u00f6nnen.&#8220; Nadja L\u00fcck<\/h2>\n<p><strong>NL: <\/strong>Es gibt eine hohe Zufriedenheit damit, selbstwirksam und autark arbeiten zu k\u00f6nnen: Man ist miteinander vernetzt, kann dadurch auch Gemeinschaft leben. Es gibt gemeinsame Zeiten und gemeinsame Erlebnisse in den Teams, die \u00fcber das berufliche Tun hinausgehen. Die Mitarbeitenden sind sehr zufrieden damit, wie sie den Alltag ihrer Arbeit aktiv ohne die st\u00e4ndigen Vorschriften und Anleitungen gestalten k\u00f6nnen. Auch wenn es schwierig wird, ber\u00e4t man sich gemeinsam im Kollegium und kommt zu guten L\u00f6sungen. Besonders hoch ist die Zufriedenheit dort, wo Menschen sich zum Beispiel im ambulant pflegerischen Bereich die Arbeit und Zeit selbst einteilen k\u00f6nnen und nicht mehr mit der Stoppuhr in der Hand fahren m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>JK: <\/strong>Frau Pauser, k\u00f6nnten Sie das, was was Frau L\u00fcck gerade von der Regionalebene gespiegelt hat, nochmal von der Bundes- bzw. von der politischen Ebene aus beleuchten?<\/p>\n<p><strong>SP: <\/strong>Ich finde, dass unsere Caritas-Bundesebene im Jahr 2037 anders arbeiten k\u00f6nnte: Wir haben uns nochmal st\u00e4rker aufgestellt was unsere interne und externe Kommunikation, was Informationsweitergabe und was Aktualit\u00e4t und Geschwindigkeit angeht. Vielleicht sind wir auch fokussierter geworden. Wir haben uns in den 12 Jahren \u00f6fter gefragt &#8222;ist alles wichtig und richtig, was wir tun?&#8220; Wir versuchten 2025 immer alles mit immer weniger Mitteln und Ressourcen zu bedienen. Da sind wir heute anders. Wir sind kommunikationsst\u00e4rker, wir bespielen sehr aktiv unsere Netzwerke und sind nicht in jeder Fachlichkeit tief drin, denn daf\u00fcr haben wir unsere Kolleg*innen in den verschiedenen fachlichen und verbandlichen Strukturen.<\/p>\n<p><strong>SA:<\/strong> Frau L\u00fcck, Frau Pauser \u2013 ich bringe Sie nun wieder zur\u00fcck in die Gegenwart, ins Jahr 2025: Sie sollen fiktiv eine gemeinsame Keynote f\u00fcr den Caritaskongress 2026 zum Thema Zukunftskompetenzen vorbereiten. Was m\u00f6chten Sie vermitteln?<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Es geht um das Thema Mut, Vertrauen in Menschen und ihre pers\u00f6nlichen Entwicklungshaltungen.&#8220; Nadja L\u00fcck<\/h2>\n<p><strong>NL: <\/strong>Ich wei\u00df gar nicht, ob ich es Kompetenzen nennen w\u00fcrde. Ich w\u00fcrde sagen, es geht um Haltung. Es geht um das Thema Mut, Vertrauen in Menschen und ihre pers\u00f6nlichen Entwicklungshaltungen. Es geht um Mut f\u00fcr neue Wege und gute Entscheidungen und Mut um Dinge loszulassen. Das was wir vorhin beim Verlassen der alten \u201eHeimat\u201c als mutig und \u00fcberzeugt zu sein, beschrieben haben. Dass man eine vertraute Umgebung neu schaffen kann; dass sie dann vielleicht anders aussehen kann, aber trotzdem gut ist. Dann gibt es noch eine Eigenschaft, die haben Sie vorhin schon genannt, Frau Pauser: das Thema Ambidextrie wird uns nie ganz verlassen, weil es immer ein Thema sein wird. Diese Beidh\u00e4ndigkeit, im Hier und Jetzt fokussiert zu sein, aber auch in die Zukunft blicken zu k\u00f6nnen und sich Dinge vorzustellen, die noch nicht da sind.<\/p>\n<p><strong>SP:<\/strong> Dem stimme ich voll zu. Wir brauchen Mut, auch in die Vergangenheit zu blicken \u2013 nicht um Asche zu bewahren, sondern um das Feuer weiterzutragen. Wir sollten uns immer fragen: Wo ist akute Not? Hier m\u00f6chte ich um Mut und um den Heiligen Geist ringen. Wo schwebt der gerade? Auch diese Wurzeln, unsere spirituellen, geistlichen Wurzeln als Caritas, sind zukunftsf\u00e4hig &#8211; davon bin ich \u00fcberzeugt. Wir haben einen Schatz, den wir hegen und pflegen sollten und der uns Kraft gibt. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p><strong>SA:<\/strong> Sie sind heute in die Zukunft gereist, ins Jahr 2037. Was m\u00f6chten Sie denn Ihren Kolleg*innen beim Caritaskongress aus der Zukunft erz\u00e4hlen?<\/p>\n<p><strong>SP: <\/strong>Mir f\u00e4llt da der gute, alte Spruch ein: Heiter weiter!<\/p>\n<p><strong>SA:<\/strong> Hei\u00dft, wir sind auf dem richtigen Weg?<\/p>\n<p><strong>SP:<\/strong> \u2026begeistert weiter, ja!<\/p>\n<p><strong>SA:<\/strong> Frau L\u00fcck, welches Learning aus der Zukunft w\u00fcrden Sie teilen?<\/p>\n<p><strong>NL:<\/strong> Bei mir dreht es sich auch um Mut. Sich nicht entmutigen zu lassen, sondern mutig Entscheidungen zu treffen und diese miteinander umzusetzen. Mut, bei uns zu bleiben, bei unseren Wurzeln, das tolle Zitat im Blick habend. Ich fand das wichtig, was Sie gesagt haben, Frau Pauser: Wir haben eine Spiritualit\u00e4t, die unterscheidet uns, die sollten wir uns bewahren, denn sie ist wertvoll. Wir sollten sie vielf\u00e4ltig leben und miteinander.<\/p>\n<p><strong>SA:<\/strong> Vielen Dank f\u00fcr diesen Mutdialog!<\/p>\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/kuenstliche-intelligenz-investorin-jeannette-zu-fuerstenberg-sieht-grosse-chancen-fuer-deutschland-a-603d88fa-d286-4fa3-b3da-5fb328e39c86\">K\u00fcnstliche Intelligenz: Investorin Jeannette zu F\u00fcrstenberg sieht gro\u00dfe Chancen f\u00fcr Deutschland &#8211; DER SPIEGEL,<\/a> Stand: 8.8.2025<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1362\" height=\"849\" src=\"https:\/\/caritas-digital.de\/landing\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Bild-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-13749\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">v.l.n.r.: Susanne Pauser, Johanna Koetter, Stephanie Agethen, Nadja L\u00fcck im Interview<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ver\u00e4ndert sich die Welt bis 2037? 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